„Ich bin kein Bühnenbildner von Hause aus“, stellt Ben Willikens gleich zu Beginn klar. „Ich bin freier Künstler, bildender Künstler und Maler in aller erster Linie.“ Wir stehen auf der großen Bühne des Ruhrfestspielhauses, zwei Tage nach der Premiere von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“, inszeniert von Regisseur Frank Hoffmann, in einer Co-Produktion mit dem Wiener Burgtheater, zu dem Ben Willikens wieder das Bühnenbild entworfen hat.

Die Arbeit mit Regisseuren – insbesondere mit Frank Hoffmann – beschreibt er als gewachsene Partnerschaft. „wir sind Freunde, verstehen einander. Seit 1990 arbeiten wir zusammen– für Theater ebenso wie für Opern.“
Dass er als bildender Künstler dennoch seit Jahrzehnten Bühnenräume gestaltet, verdankt er weniger einem bewussten Karriereschritt als vielmehr der Neugier anderer. Regisseure wurden auf seine Arbeiten aufmerksam – insbesondere auf ein zentrales Motiv, das ihn seit den 1970er-Jahren beschäftigt als er in Italien lebte: „der Mythos des menschenleeren Raumes“. Das war für Regisseure oft verführerisch: Was passiert eigentlich, wenn man darin Aktivität bringt und diese menschenleeren Räume bevölkert?

So entwickelt er Räume, die mehr sind als Kulisse: „Ich habe immer versucht, Resonanzräume zu schaffen, die das Stück möglich machen, das Stück unterstützen, auch das Stück interpretieren.“ Diese Räume sind bewusst offen angelegt. Sie verzichten auf eindeutige Verortung und setzen stattdessen auf Assoziation und Wandel. So kann ein und derselbe Raum innerhalb weniger Minuten verschiedene Bedeutungen annehmen: „Der Anfang wird in einem nackten Raum gespielt, mit einem Mal ist es eine Bahnhofshalle und zwei Minuten später ist es ein Wald.“ Minimalismus wird hier zur Stärke – die Fantasie des Publikums füllt die Leere.
Der kreative Prozess beginnt dabei erstaunlich offen. Nach einer kurzen Absprache folgt kein detailliertes Konzept, sondern Freiheit: „Ich führe also nicht die Idee eines Regisseurs aus, sondern ich lasse erst mal meiner Fantasie freien Raum.“ Er liest das Stück, hört die Musik – und prüft vor allem eines: „Passt das Stück zu mir?“ Denn Anpassung um jeden Preis lehnt er ab. „Es geht also nicht so, dass ich mich in Dinge hineinzwänge, die mir nicht liegen.“

Trotz jahrzehntelanger Erfahrung sieht er sich bis heute nicht als klassischer Bühnenbildner – und will es auch gar nicht sein. Technische Kenntnisse seien für ihn kein Ausgangspunkt. „Das brauche ich nicht“, sagt er offen auf die Frage nach Architektur- oder Materialwissen. Vieles habe sich erst im Laufe der Jahre entwickelt. Gleichzeitig vertraut er auf die Expertise der Theaterwerkstätten.
Trotz seiner Liebe zum Theater bleibt seine künstlerische Herkunft und der „Mytos des leeren Raums spürbar: „Ich liebe das Theater, ich liebe die Oper“, sagt er – und fügt fast widersprüchlich hinzu: „Aber ich bin froh, wenn das Stück vorbei ist und meine Räume wieder leer sind.
