Im Juli 2020 wurde ich von den „Ruhrpottfotografen“ Karsten Andreas und Ludger Staudinger zu ihrem ersten Live-Podcast auf Youtube eingeladen. Dort lernte ich Karstens Tochter Emely kennen, die mir erzählte, dass sie 400 Meter Läuferin sei. Eine Woche später schlug ich der Redaktion von „Oer Erkenschwick erleben“, einem 4-mal im Jahr erscheinenden Stadtmagazin vor, Emely während eines Starts zu fotografieren. Den Look des Bildes konnte ich nicht genau beschreiben. Aber die verantwortliche Redakteurin meinte, ich solle das Bild erstmal machen und dann würden wir weitersehen.

Drei Wochen später hatte ich mich mit Karsten und Emely verabredet und gemeinsam fuhren wir zum Stadion Rote Erde in Dortmund, wo Emely trainierte. Karsten und ich unterhielten uns, bis das Training vorbei war. Dann gingen wir auf den Platz und bauten die Lichter auf. Da ich eine genaue Vorstellung hatte, wie das Bild aussehen sollte, dauerte es nicht lange, bis wir anfangen konnten.

Ich erklärte Emely, dass sie beim Start auf einige Dinge achten müsse. Körperhaltung, Arme, Beine, Hände müssten die richtige Position und Haltung haben. Und dabei sollte Ihr Gesicht nicht verkrampft aber konzentriert aussehen. Meine Position, möglichst tief am Boden liegend, musste ich so wählen, dass sie beim Start mit ihrem Kopf den hinter ihr stehenden Blitz verdeckte.

Nach neun Versuchen hatte ich das Bild, wie ich es mir vorgestellt hatte. Doch dann fiel mir beim Betrachten des Bildes auf, dass Emely viel zu mittig im Bild war und beim Druck des Bildes auf einer Doppelseite, die Heftmitte genau durch ihr Gesicht laufen würde. Also mussten wir nochmal anfangen, so leid es mir auch tat, denn sich im Startblock zu befinden, ist keine entspannte Haltung für die Sportler. Das Gewicht liegt auf drei Fingern jeder Hand und die Muskeln sind bis zum äußersten gespannt, damit man möglichst schnell starten kann. Selbst im Training, so sagte sie mir, würden sie nicht so viele Starts hintereinander machen. Eine schnelle Serienbildfunktion funktionierte nicht, da meistens der richtige Zeitpunkt genau dann ist, wenn die Kamera gerade nicht auslöst. Zudem benötigen die Blitze eine gewisse Ladezeit für das nächste Bild. Auch auf den Autofokus wollte ich mich nicht verlassen und fokussierte die Bilder manuell.

Letztendlich hatten wir das Bild und erschien in der Ausgabe 3/2020 von Oer Erkenschwick erleben. Für mich war es der Beginn der inszenierten Sportfotografie. Ich hatte die ersten Fotos in dieser Art schon vier Jahre zuvor gemacht, war aber von dem Ergebnis noch nicht ganz überzeugt und hatte das Thema nicht übermäßig verfolgt. Jetzt hatte ich aber dafür meine Bildsprache gefunden.